Der Baum.

Der Baum steht einsam und allein auf einem Felde, förmlich auf einem Schrein. Er steht dort schon seit Ewigkeiten, da drüber braucht man sich nicht streiten. Kinder spielten rund um ihn, auf ihm, in ihm. Denn vor ein paar Jahren, überliefert von ein paar herumreitenden Zaren, schlug ein Blitz in die prächtige Krone und formte einen mächtigen Spalt.

Ach was laber ich hier rum, hab einerseits Bock auf Schreiben/Tippen, andererseits habe ich kein Thema. Hinzu kommt, dass ich ganz ohne Nachzudenken wieder mal losgereimt habe. Das nervt mich ein wenig, denn dadurch wird alles so kindisch. Oder? Weil das billigste Paarreime sind, wie im Kindergarten.

Zurück zum Baum. Ein interessantes lyrisches Bild, doch nicht jeder kann sich da drunter etwas vorstellen. Nicht jeder hat überhaupt schon mal über Bäume nachgedacht. Also was sie bedeuten können.

Für mich hat ein einzelner Baum kaum eine Bedeutung, da ich damit nichts verbinde. Ich kann aber auch nicht von mir behaupten, ein anders interessantes Bild in meinem Kopf zu haben, zu dem ich ab und zu zurückkehre und bei dem ich immer wieder neue Gedanken finde. Und auf dass ich alle möglichen Dinge anwenden kann.

Das kommt womöglich daher, dass ich kein Träumer bin und dass ich erst recht kein Philosoph bin, auch wenn ich dieses Feld in manchen Aspekten durchaus sehr spannend finde.

Mittlerweile bin ich recht zufrieden, konnte meinen Drang, etwas zu tippen, ein wenig beruhigen. Außerdem muss man ja seine Tippfähigkeiten ein wenig trainieren, schließlich kommt blindes Schreiben nicht von alleine.

Sehnsucht.

Sie ist kleine, aber nicht zu kleine 1,65m groß, ist mit 18 von zu Hause weggezogen und lebt seit dem bereits ein Jahr in Berlin. Berlin, schon immer ihr Traum. Pulsierendes Leben. Sie steht auf ihrem Balkon, der diesen Namen eigentlich nicht würdig ist. “Treppchen” würde es besser beschreiben. Es ist Herbst, doch heute ein wenig zu warm, ein wenig zu positiv. Die Abendsonne geht rechts hinter den Wohnblöcken unter, sie blickt ihr hinterher. Was für ein Tag. Ihr braunes, schulterlanges Haar wehte leicht im sanften Wind, der über Berlin zog. Sie wohnte im obersten Stockwerk.

Er sitzt in einem Café, nicht weit von ihr entfernt. Ein Treffen mit Kumpeln. Quatschen über alte Internatszeiten. Während er an seinem Kaffee nippt und den anderen zuhört, denkt er in Wahrheit nur an sie.

Sie hat braune Augen. Geschaffte Augen. Denn sie arbeitet im größten Rewe des Viertels und hat für heute genug Zahlen gesehen. Danach war sie noch mit einer Freundin shoppen. Sie hat nur Pants und ein T-Shirt, sie mag es, wenn die frische Luft um ihren Körper streicht. Ihr Blick geht die weiten Straßen entlang, dort, wo irgendwo das Café ist, in dem sie sitzen. Er und seine Kumpels.

Sie kann es kaum noch erwarten. Noch eine Stunde. Sie hasste ihn für seine Termine. Alles musste genau nach Plan sein. Doch das konnte sie ihm verzeihen, schließlich war alles andere an ihm perfekt. Bei ihm fühlte sie sich geborgen. Er hatte ihren Humor, sie lagen auf einer Wellenlänge. Mit ihm konnte sie stundenlang über die alten Omas im Supermarkt reden und ihm sagen, dass sie es leid war, jedes Mal das nette Mädchen zu spielen, das den Rentnern die Körbe füllt. Doch es war ihr Job, die Ausbildung ging noch ein Jahr, und das würde sie noch machen. Aber ewig hielt sie es im Supermarkt nicht aus, sie wollte danach irgendwas studieren. Irgendwas kreatives.

Er zählt die Minuten. Noch zehn. Yeah. Er stellt sich vor, wie es ist, sie zu küssen. Ihren Duft einzusaugen. Er liebt ihren Geruch. Und auch sonst liebt er sie. Es ist seine erste große Liebe. Zwar hatte er vorher schon zwei Freundinnen, aber da hat es nie so gepasst wie mit ihr. Mit ihr kann er einfach alles machen und er fühlt sich von ihr verstanden. Er erzählt ihr alles, was ihn bedrückt, und sie schafft es jedes Mal erneut, ihn zu beruhigen.

Noch eine Viertelstunde. Sie weiß, dass er nicht eher kommen wird. Dafür ist er zu genau. Er ist der einzige, der ständig eine Uhr um hat. Seit er ein Kind ist. Irgendwie mag sie die Gewissheit, dass er in genau 15 Minuten kommt. Denn so kann sie vorher noch mal duschen gehen. Sie nimmt ihr Lieblingsshampoo und fährt sich mit ihren Händen über den Körper. Was für einen Körper sie nur hat. Du könntest glatt ein Model sein, hatte er mal gesagt. Womit er nicht Unrecht hatte. Alles an ihr war makellos. Sie trocknete sich ab, die Haare ließ sie halb nass. Er mochte es, ihre feuchten Haare zu riechen. Und sie hasste Föhnen. Sie ging noch einmal kurz zum “Treppchen”, um die fast untergegangene Sonne zu verabschieden. Doch vorher machte es ”Ding dong”.

Sie würde sich die Sonne mit ihm anschauen.