Geht es nicht genau darum in unserem Leben? Jeder muss einen Traum haben? Auf diesen arbeiten wir hin, den sehen wir am schmalen Horizont, wenn wir kurz vorm Verzweifeln sind. Allein die Vorstellung gibt uns Kraft, lässt uns weitermachen. Ohne einen festen Traum hat unser Leben keinen Sinn.
Echt? Ach naja, ich habe mal ein wenig übertrieben und blumig umschrieben, was vielleicht einige fühlen, aber weiß Gott nicht die meisten. Für mich persönlich ist der größte Traum, den man hat, eine nette Vorstellung. Ich wäre froh, das zu erreichen, aber es muss nicht zwingend sein. Es bestimmt nicht mein Leben und mir ist es wurscht, ob es in Erfüllung geht. Und vielleicht habe ich in zehn Jahren einen ganz anderen großen Traum.
Momentan manifestiert sich bei mir der Traum, mal bei einer richtigen Rally mitzufahren. Schon seit Kindheit fasziniert mich die Physik von Autos, also ganz speziell, wie die Karosserie auf Unebenheiten reagiert, wenn man auf verschiedenen Untergründen fährt, wenn man durch eine Wasserlache rast oder wenn man mit irgendetwas (leicht oder schwer) zusammenstößt. Aber auch, wenn man bremst und beschleunigt oder durch Kurven heizt. Jedes Auto ist da ganz eigen.
Es sieht immer wieder geil aus, wenn ein Rallyauto steht – in Finnland, auf einer Piste im Wald, wo es die Nacht zuvor geregnet hat, circa 50% grober Schotter und 50% feiner, matschiger Kies – und dann Vollgas gibt. Die Steine spritzen nur so unter den vier Rädern weg, die Motorhaube ragt gen Himmel, das Heck wird nach unten gedrückt, der Motor zieht das ganze Gefährt mit seiner brachialen Kraft nach vorne. Der Fahrer beschleunigt auf eine Geschwindigkeit, die manche selbst auf einer dreispurigen Autobahn nicht fahren würden. Der Navigator sagt eine Kurve voraus: es wird gebremst, das Auto senkt sich vorn kurz ab, die Scheibenbremsen werden von der Waldluft gekühlt, der Fahrer lenkt scharf ein und gibt wieder Vollgas. Der Motor heult aggressiv auf und durch die großen Luftfilter saugt er, als wäre er kurz vorm Kreislaufkollaps. Als das Heck ausschlägt reißt der Fahrer das Lenkrad rum und gibt weiterhin Vollgas. Die feuchten Steine spritzen nach außen weg. Würden dort Besucher stehen, dann hätten sie jetzt Platzwunden.
Der Navigator sagt eine Bodenwelle voraus: das Auto schiebt sich weiterhin ohne Halt nach vorne, kurz vor der Kuppe nimmt der Fahrer das Gas weg und hebt ab. Dabei werden die Stoßdämpfer für eine kurze Zeit von ihrer undankbaren Aufgabe entbunden, die vielen Unebenheiten und das Gewicht des Wagens auszugleichen bzw. zu tragen. Der Sound, den nun das Getriebe und der Motor von sich geben, ist einfach nur geil. Es ist wie eine Zeitlupe, die Räder drehen sich langsamer, der Drehzahlmesser geht zurück und der Motor wird leiser. Doch schnell ist alles vorbei, der Subaru setzt hart auf, die Stoßdämpfer sind an der Belastungsgrenze. Fahrer und Beifahrer “nicken” kurz und schon geht es weiter, schließlich ist das Ziel in Sicht. Gaspedal durchdrücken, mal die Benzineinspritzung so richtig fordern.
Yeah, Rally ist einfach nur phantastisch. Da ist Präzision gefragt. Steuerst du ein wenig zu nah an den Rand, überschlägst du dich. Springst du falsch von einer Bodenwelle ab, überschlägst du dich. Gehst du zu schnell in die Kurve, überschlägst du dich. Bremst du zu früh, verlierst du extrem viel Zeit. Genau diese ständig geforderte Aufmerksamkeit ist es, die den Rallysport für mich zusätzlich so interessant macht. Hier kommst du nur gut an, wenn du eins mit deinem Auto bist, wenn du die Strecke auswendig kennst (bzw. dein Navigator) und wenn du mit allen Eventualitäten vertraut bist. Versüßen tut das ganze der Dreck, Matsch, Schnee, Wasser. Das mag ich ebenso. Denn diese protokollieren die gesamte Fahrt am Auto in Form von Spritzern, Steinschlägen, Verformungen.
Schon allein das Thema Dreck lässt mich schon ewig nicht mehr los. Ich weiß, ich bin da ziemlich der einzige und das klingt auch ein wenig verrückt. Aber ich käme nie auf die Idee, mein (noch nicht vorhandenes) Auto zu waschen. Dies ist vielleicht der erste Schritt hin zu meinem Traum.
[Bild via]

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