Überall Pitschepatsche. Eklig.

Versuch eines guten Titels. Er könnte auch “Die endlose Odyssee.” oder “Abartige Umbruchszeit.” lauten.

Es trug sich zu, dass ich ganz allein von Arbeit nach Hause laufen musste. 20 Uhr. Kollegin konnte mich nicht mitnehmen, wir haben momentan kein Auto, Bus fährt um die Uhrzeit nicht mehr und Fahrrad ist derzeit keine Option. Im Folgenden ein Abriss meiner ungefähren Gedanken und Eindrücke.

20:01 Uhr. Ich weiß, dass es draußen ein wenig schneit. Das habe ich durch die Fenster gesehen. Dennoch ging ich relativ optimistisch zu meinem Spind und zog meine Sachen an. Sofort, als ich aus der Tür trat, verflog jeglicher Glauben an einen schönen Heimweg. Immerhin hatte ich rund eine halbe Stunde Fußmarsch vor mir. Und das war kein Schnee, der da von oben kam, das war vielmehr Schneeregen. Flocken, die beim Aufprall auf Haut sofort schmelzen. Unter meinen Füßen war ohne Ausnahme Pitschepatsche. So komisches Zeugs im Zwischenstadium von Schnee und Wasser. Eine Art festes Wasser, das jedoch nicht fest war. Schneewasserwackelpudding.

20:03 Uhr. Die Gewissheit, dass die Pitschepatsche nicht aufhört. Und dass meine Sneaker ihr nicht sehr lange standhalten werden. Wer hätte denn ahnen können, dass nach solchem Sonnnenschein auf einmal abends wieder Frau Holle herumwerkelt? Ich als gebürtiger Optimist auf alle Fälle nicht. Bis auf die Schuhe war ich noch recht gut gerüstet, Jeans und dicke Jacke dürften dem Wetter standhalten.

20:05 Uhr. Boar, das Wetter ist echt übel. Ich habe ständig einen unnachgiebigen, sehr kalten und starken Gegenwind. Diese komischen Schneeflocken peitschen mir ins Gesicht und schmelzen sofort. Es laufen so langsam kleine Wasserbahnen mein Gesicht herunter. Meine Brille wird immer mehr nass und mein Blick verschwommener. Inzwischen ist meine Jacke vorne komplett weiß, denn sie ist zu kalt zum Schneeflockenschmelzen.

20:06 Uhr. Als ich so langsam das Gewerbegebiet verlasse und auf die Verbindungsstraße gehe, wo es keinen Fußweg gibt und auf der komplett das Wasser steht, weiß ich: Meine Schuhe sind gleich durch. Gefühlte vier Meter auf dieser Straße und ich merkte schon, wie das eiskalte Wasser an meine Füße drang. Abartig. So richtig abartig.

20:13 Uhr. Ich erreiche so langsam die Stadt. Bis jetzt hat der Wind kein bisschen nachgelassen. Meine Stirn ist erfroren, wenn ich sie nach oben ziehe und dann wieder sacken lassen spüre ich ein ganz komisches Gefühl. Der Wind macht mich echt fertig. Er kommt immer noch von vorne. Ich habe bis hierhin bestimmt schon fünfzig mal “Fuck” gesagt und hätte am liebsten nach oben geschrien, dass diese verdammte Kacke endlich mal aufhören soll. Meine Füße sind mittlerweile auch schon ganz schön abgekühlt. Und jedes Mal, wenn man dieses patsch-patsch hört beim Auftreten flucht man innerlich gegen dieses verfickte Wetter.

20:15 Uhr. Oh ja, endlich Stadt. Der Wind lässt nach. Endlich wieder Fußweg. Auf dem liegt zu allem Übel sehr viel Schnee, aber zum Glück halbwegs trockener. Der Niederschlag von oben hat jedoch nicht aufgehört. Meine Haare sind mittlerweile auch schon ganz schön nass. Meine Jeans von vorne auch.

20:25 Uhr. Bäääh, ich will endlich daheim sein. Nass, nass, nass.

20:28 Uhr. Endlich. Geliebte Haustür, geliebtes Hausflur. Mit der linken Hand mache ich den Schnee von der Jacke ab. Total unangenehm, da extrem kalt und nass.

20:30 Uhr. Ich schleppe mich ins Bad, ziehe die ganzen nassen Sachen aus, tropfe den ganzen Boden voll und dusche erstmal ne Viertelstunde.

Irgendwie muss man so etwas mal durchgemacht haben. In Zeiten, wo jeder ein Auto hat kommt sowas recht selten vor, wie ich finde. Und ich mache hier auch keinem Vorwürfe, weder der Kollegin, weder meiner Family noch mir selbst. Denn irgendwie gehört so ein Shit auch mal dazu. Das Leben ist ja kein Ponyhof.

Mittlerweile ist es fast Mitternacht und meine Jeans ist schon wieder trocken. Die Schuhe habe ich bereits drei Mal mit Zeitung ausgestopft, die sind auch schon wesentlich trockener. Das schöne an Sneakern ist ja, dass sie i.d.R. nach einer Nacht Trocknung wieder anziehbar sind. Einzig Sorgen macht mir die Jacke. Die ist an den Ärmeln und an manch anderen Stellen noch ziemlich dolle nass.

Was ich allen empfehlen kann, die sowas ähnliches durchmachen müssen: Immer schön beim Laufen fluchen, ansonsten verlagert man das nach Hause. Direkt nach der Ankunft heiß duschen. Danach Lieblingsmucke hören und nen Snickers essen. Hilft immer.

Ich freu mich auf jeden Fall wieder auf morgen. Ganz gleich, wie das Wetter wird.

Kommentare & Trackbacks
  1. ich halt :-)
    Antworten

    du sitzt ja sowie so den ganzen Tag vor dem Computer – da kennst du so etwas wie Natur, Regen oder frische Luft ja gar nicht.

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